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Pressebericht Weihnachtszauber 2015

Alles dreht sich um die Liebe

“Joy of Voice” Aitracher Gesangsschule bringt Broadway nach Memmingen. 450 Zuhörer bei “Weihnachtszauber” in voll besetzter Kirche Christi Auferstehung. Erlös fließt in “Kartei der Not” und in Dachrenovierung

von Markus Noichl

Memmingen

ZeitungWährend in “Christi Auferstehung” noch der Abendgottesdienst gefeiert wird, bilden sich schon lange Schlangen vor der Tür. Zum Weihnachtszauber von “Joy of Voice”, bereits im Vorfeld ausverkauft, gilt es einen Platz in der großen Kirche zu ergattern. Gespannt warten 450 Besucher. Und nach einstimmenden Tönen vom E-Piano rührt sich etwas: Von ganz hinten kommen die Mitwirkenden nach vorne, zu den Worten: “See me, feel me, touch me, heal me”. Und bei “touch” bekommen außen Sitzende tatsächlich eine Hand aufgelegt.

Danach folgt eine fast dreistündige Folge bekannter und unbekannter Titel rund um Weihnachten, auch aus Musicals und Klassik. Rund 60 Darsteller von kleinen “Engelchen” über Jugendliche bis zu Erwachsenen sind dabei aus dem Pool von über 100 Sängern, den Angelika Maier mit ihrer Gesangs- und Bühnenschule in Aitrach aufgebaut hat. Die Musik kommt vom Band, dazu erheben Chor und Solisten ihre Stimmen. Rührend die unschuldigen Stimmen von Kindern und Jugendlichen – genau im richtigen Maß geschult, rein und klar, aber noch natürlich.

“Liebe” ist das Hauptwort des Abends, in allen Ausprägungen. Da dürfen junge Frauen vom Märchenprinz träumen. Es geht ausführlich um romantische Liebe, die Sehnsucht nach dem Traumpartner. Aber auch um das “Mehr” an selbstloser Liebe. Auch dadurch, dass ein Teil der Einnahmen der “Kartei der Not”, dem Leserhilfswerd unserer Zeitung zugugte kommt, der andere der Renovierung des maroden Kirchendaches. Und Moderator Andreas Schales vom Hitradio RT1 weist hin auf die aktuelle “Herbergssuche” unserer Tage. “Was wäre Weihnachten ohne Juden, Araber und sozial Benachteiligte?” fragt er. “Da blieben bloß noch Ochs und Esel übrig.”

“Joy of Voice” wäre kein Showensemble, wären da keine Kostümwechsel. Da kommen Weihnachtsmänner in vielen Variationen, unter anderem auch mit rockigen Sonnenbrillen. Dicke Winterklamotten drücken die Hoffnung aus nach dem “guten alten Freund”, auf dessen kalte Gaben wir jedes Jahr sehnsüchtiger Warten. Weihnachtswichtel kommen herbei mit ihren Hämmerchen, klopfen den Groove, verbunden mit der Aufforderung “Feel the Rhythm”. Engel mit weißen Flügeln sind einige im Einsatz. Auch, um den unter seinen Schmerzen zusammenbrechenden Jesus (eine bewegende Nummer mit Tiefgang) aufzufangen.

Dekan Ludwig Waldmüller weist – ein ernst gemeinter Satz in einer humorvollen Begrüßung – zwar darauf hin, dass “Mann” in einer katholischen Kirche Kopfbedeckungen abnehme. Aber auf der Bühne drückt man ein Auge zu, vom Zylinder bis zu Wichtelmütze ist so einiges geboten.

Packende “Carmina Burana”

Der Chor stößt zwar im  kunstvoll polyphonen Einstieg zu “Christmas is here”, noch dazu a capella gesungen , an seine Grenzen. Doch bald danach fesselt ein packender Ausschnitt aus Orffs “Carmina Burana”. Zentrale Botschaft des Abends ist die Hoffnung auf Frieden für die Menschheit, “einmal nach 1000 Kriegen”. Und Hoffnung, dass Religionen nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden. Denn “vor dem Gott, zu dem sie beten, sind alle Menschen gleich”. Im Schlussblock gibt es originale Instrumente, Harfe, Blockflöte, E-Piano und Cajon, etwas zu Schuberts “Ave Maria”, “Amazing Grace” und “Feliz Navidad” sind die Schlusspunkte.

Ein Weihnachtsabend, an dem mit Witz und Süßstoff nicht gespart wurde, kurz: der Broadway nach Memmingen kam.