Musik schlägt Brücken – Memminger Zeitung vom 13.6.2015

Musik schlägt Brücken

Benefizkonzert – Showensemble „Joy of Voice singt für Asyl-Arbeitskreis der Kolping Akademie

Memmingen „Eigentlich bin ich nur gekommen, um Joy of Voice zu hören. Aber der Abend hat bei mir die Sichtweise auf die Problematik der Asylanten vollkommen geändert“, sagte am Ende der Veranstaltung eine Besucherin betroffen. Sie hatte das Benefizkonzert des bekannten Showensembles zugunsten der Arbeit des Arbeitskreises Asyl bei der Kolping Akademie (ehemals Kolping-Bildungswerk) besucht. Und nahm nicht als Einzige mehr als ein paar Klänge im Ohr mit nach Hause.11535783_943685565662213_6820131670117358599_n

Gut halb gefüllt war die Stadtpfarrkirche St. Josef bei diesem Konzert, das als eine Art Auftakt für die Veranstaltungen zum 40-jährigen Bestehen der Kolping Akademie gedacht war. Der Name „Via Spera – Straße der Hoffnung“ war für dieses Konzert Programm und bezog sich speziell auf die Arbeit mit Migranten und Asylanten.

Joy of Voice-Leiterin Angelika Maier hatte dazu Lieder ausgesucht, die die Problematik von Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Respekt ausdrückten. Dass für die Präsentation der Gesänge der Kirchenraum entsprechend genutzt wurde und auch Kostüme und Lichteffekte passten, ist bei Joy of Voice eigentlich selbstverständlich – aber immer wieder besonders erwähnenswert. Moderator Andreas Schales unterstrich mit seinen Beiträgen die Aktualität der Thematik. Seine Interviews mit den Veranstaltern und vor allem mit mehreren Asylanten berührten nicht nur die am Anfang dieser Zeilen erwähnte Zuschauerin. Da erzälte etwa Muhammad aus Syrien, warum er geflohen ist und dass seine Familie derzeit in Jordanien festsitzt. Jonas aus Eritrea durchquerte mit einer Flasche Wasser in sechs Tagen die Sahara bis Libyen. Von dort kam er, zusammen mit 250 anderen Flüchtlingen, in einem überfüllten Boot in 37 Stunden nach Italien. Der 29-jährige Informatiker Reagan floh vor dem Krieg im Kongo und der 40-jährige Boa aus Nigeria.

Neben dem Schreiber dieser Zeilen saß Saved aus Syrien. Nicht nur einmal flossen bei ihm während der Lieder die Tränen. Die Emotionen und die Erinnerungen an seine Kriegserlebnisse kommen hoch, sagte er. Und erzählte von seiner Familie, die erst am Vortag in Damaskus einen Bombenangriff heil überstanden habe.

Alle singen gemeinsam

So stand an diesem Abend eigentlich nicht die Musik im Vordergrund, aber sie war das Medium und die Brücke zwischen allen anwesenden Menschen. Reagan sang sogar noch ein kongolesisches Volkslied und dann gab es ein begeistertes und doch berührendes gemeinsames Singen von Chor, Asylanten und Zuschauern. Ein großes Halleluja erklang da in der Josefskirche, lauter als das Gewitter draußen. (py)

Memminger Zeitung vom 13.6.2015