„Es laden die Vampire zum Tanz“ 4. Sommernachtszauber mit „Joy of Voice“ auf der Seebühne

veröffentlicht am 01.08.2017 “Die Lokale-mm.de”

 Zum Fürchten: Philipp Krenn in der Rolle des Dracula. Fotos: Marx

Memmingen (as). Zumindest die meisten von ihnen sind Amateure im allerbesten Sinne des Wortes: Menschen, die lieben, was sie tun. Über 30 Mitwirkende des Showensembles „Joy of Voice“ waren auf der Seebühne im Stadtpark beim vierten Sommernachtszauber – veranstaltet von den “Freunden der Landesgartenschau” – mit glühender Begeisterung bei der Sache. Die Akteure versprühten eine Freude an Gesang und Schauspiel, die sich sofort auf die über 600 Zuschauer im ehemaligen Landesgartenschau-Gelände übertrug.

In vier Blöcken von jeweils etwa 45 Minuten präsentierten die Sänger und Sängerinnen (fast) aller Altersstufen Glanzlichter aus Musicals wie „A Chorus Line“, „West Side Story“ und „Elisabeth“ sowie Songs aus den Grusicals „Tanz der Vampire“ und „Dracula“ und bezogen dabei auch das Gelände rund um die Seebühne effektvoll mit ein.

„Du hast ‘n Freund in mir“ – Zum Auftakt der Show wird Oberbürgermeister Manfred Schilder auf die Bühne zitiert, wo er von Nicki – einem der „Joy of Voice-Kids“, die gemeinsam mit den Nachwuchstänzern von „Bliems bunter Bühne“ in Leutkirch den ersten Teil der Show bestreiten – mit einem Song aus Disneys „Toy Story“ besungen wird.

Kreischende Elvis-Fans

Viel für Auge und Ohr ist auch im zweiten Teil geboten: Vom alpinen Jodler mit busenschüttelnden feschen Derndln in reschen Dirndeln zu (Kuh-)Glockenklängen geht’s schön-melancholisch weiter mit „Send In The Clows“ aus “A little Night Music” mit Larissa Schales. Doch die Beschaulichkeit ist nur von kurzer Dauer: Bald darauf vergessen die weiblichen Darstellerinnen einer Szene aus „Catch me if you can“ ihren Piloten und kreischen für Elvis, den Uwe Besserer, dekoriert von fliegenden BHs der Fans, bis ins Jailhouse rocken lässt (Tanzchoreographie: Gabi Lipp).

Höhepunkt des zweiten Teils ist der von Siegfried Langer mit viel Biss dargebotene sadistische Zahnarzt, entsprungen dem Musical „Der kleine Horrorladen“. Mit dem Bohrer bewaffnet, macht er sich lustvoll über einen arglosen Zuschauer her, umturtelt von aufreizend bestrapsten Arzthelferinnen. Nach so viel (Stimm-)gewalt geht es blumiger weiter mit einem Ausflug in die Hippie Zeit mit einem Kelly-Family-Medley.

Es ist beeindruckend, wie Ensemble-Leiterin Angelika Maier für jede Stimme und für jeden Typ die passende Nische findet. Einige Mitglieder, die aus der Aitracher Gesang- und Bühnenschule „Joy of Voice“ hervorgehen wie Daniel Mladenov und Kevin Prinz haben sich bereits einen Namen gemacht und sind in professionellen Bühnenprojekten engagiert. Jan Giefel wird demnächst bei den Winnetou-Festspielen in Burgrieden zu sehen sein.

„You can leave your hat on”

Auch im dritten Teil wechseln Soli, Duette und Chorszenen einander ab und ergänzen sich zu einem bunten Augen- und Ohrenschmaus. Besonders für die Frauen, denn vom  Broadway („A Chorus Line“) aus geht es mit „You can leave your hat on” direkt zum „Männer-Strip“ mit Daniel Mladenov und Patrick Hörnle. Großen Applaus gibt es auch für Johanna Langers Interpretation von „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“.

„Dies ist die Stunde“ – die beeindruckende Stimme von Daniel Mladenov bei diesem Song aus „Jekyll & Hyde“ kommt vom Wasser her: Schwarz gekleidet und vom Mondlicht spärlich erhellt, näherte er sich, im Boot stehend, dem Geschehen auf der Seebühne. Dort lässt nach einem kurzen choralen Ausflug ins Musical „West Side Story“ das Land der Toreros grüßen: Umrahmt von Fächer schwingenden Damen im Flamenco-Dress intoniert Karl-Heinz Sroka das feurige „Granada“.

„Wir wollen tun, was uns Spaß macht”

„Es laden die Vampire zum Tanz“ – wohling gruselig wird es dann schließlich mit Szenen aus dem deutschsprachigen Musical „Tanz der Vampire“, wo die (Un-)Wesen der Nacht zwischen düsteren Grabsteinen die romantischen Helden Sarah und Alfred (souverän: Kevin Prinz) unheilvoll umschwirren. „Wir wollen tun, was uns Spaß macht und so sein, wie wir sind“, ertönt es aus den bluttriefenden Mündern der Untoten. Gruselfaktor 10: Philipp Krenn als Dracula – nicht zuletzt dank äußerst kunstvoller Maske unheilvoll bis in die schwarz lackierten Fingerspitzen.

Bei der Zugabe „Purple Rain“ von Prince dürfen die Zuschauer mitsingen. Und dann gibt es Standing Ovations für einen mitreißenden und bezaubernden Sommerabend im Park.

Unser Vorschaubild: Mit schönen Stimmen, prächtigen Kostümen und mitreißenden Tanzszenen begeisterten die Akteure des Show-Ensembles “Joy of Voice” die über 600 Besucher im Stadtpark.